{Orte} Die Geisterstadt Fengdu – ist dort wirklich der Eingang zur Hölle?

Fengdu liegt in China am Fluss Jangtsekiang. Über die Tempelanlagen des Ortes – die Stadt der Geister – existiert eine Vielzahl von Legenden (Überraschung, Überraschung^^). Dass man in Fengdu angeblich sein nächstes Leben nach der Wiedergeburt beeinflussen kann, ist nicht der einzige Grund, warum dieser Ort vor Touristen überquillt.


Die bewegende Geschichte von Fengdu

Einst war Fengdu eine blühende Stadt mit rund 300.000 Bewohnern (diese Zahl variiert in den Quellen). So sah ein Teil der Stadt aus. Doch für den Bau des Drei-Schluchten-Damms sollte das nun ehemalige Stadtgebiet von Fengdu gesprengt und überflutet werden.

Das Modell des Drei-Schluchten-Damms.

Und so kam es. 2003 setzte die Regierung ihren Plan tatsächlich in die Tat um und die Bewohner mussten umsiedeln. Ein Teil der Bevölkerung hatte das Glück, ein Haus im neu gebauten, höher liegenden Stadtgebiet zu erhalten. Der andere Teil musste weit weg von der Heimat ein neues Leben beginnen.

Heute ragt nur noch die Stadt der Geister gleich einer Insel aus dem Wasser, eine Mischung aus über 70 buddhistischen und taoistischen Tempelanlagen, die sich über einen Berg verteilen.

Jeden Tag besuchen Tausende von Touristen die Tempel und Schreine, die mit geheimnisvollen Namen wie „Turm des letzten Blicks nach Hause“, „Keine Wahl-Brücke“ oder „Pass der Geisterfolter“ die Fantasie zum Erblühen bringen.

Das nächste Leben beeinflussen

Auf dem Berg können Besucher heutzutage drei Prüfungen ablegen, um sich ein gutes nächstes Leben zu sichern. Wer diese Prüfungen lebend besteht, wird angeblich auf alle Fälle schonmal 99 Jahre alt.
Es gibt viele unterschiedliche Beschreibungen der Prüfungen – ich habe euch mal die zusammengefasst, die ich am häufigsten gelesen habe.

Das ist die „Brücke der Hilflosigkeit“.

Die erste Prüfung ist die „Brücke der Hilflosigkeit“, die man überqueren muss. Im Fluss, der unter der Brücke hindurch führt, warten angeblich Geister, die böse Menschen hinunter in die Hölle ziehen wollen.
Wer es schafft, die Brücke in drei Schritten zu passieren, hat die Prüfung gemeistert (die Zahl der Schritte variiert von Quelle zu Quelle).
Gehen Ehepaare Hand in Hand auf die anderen Seite, werden sie auch im nächsten Leben vereint sein.

Was auf dem Bild nicht klar zu erkennen ist: Es gibt drei Brücken. Geht man über die rechte, wird man im nächsten Leben angeblich reich sein, geht man über die linke, warten im nächsten Leben Glück und Zufriedenheit. Was bei der mittleren Brücke passiert, darüber habe ich nichts gefunden – falls ihr da etwas wisst, postet es gerne in die Kommentare ^.^

Die zweite Prüfung ist das Höllen-Tor. Wenn eine Frau mit dem linken Fuß über die Schwelle steigt, wird sie dem Aberglauben zufolge im nächsten Leben als Mann geboren. Für Männer gilt das Gegenteil. Einheimische lachen sich regelmäßig kaputt, wenn Europäer mit beiden Beinen über die Schwelle hüpfen.

Ein weiterer Pavillon.

Die dritte Übung ist eine Balanceübung im Palast des Höllenkönigs. Der Besucher muss drei Sekunden lang einbeinig auf einem wackeligen Stein stehen. Wer das nicht schafft, hat angeblich Böses zu verbergen.

 

Ein letzter Blick auf die Lebenden

Nach dem Tod eines Menschen wandert die Seele des Verstorbenen der chinesischen Mythologie zufolge in die Unterwelt, um dort für ihre Sünden zu büßen oder Reinkarnation zu erlangen.
Auf ihrem Weg dorthin passiert die Seele den „Heimschau-Pavillon“. Von dort aus kann der Verstorbene noch einmal einen Blick auf seine Lieben werfen, denn von diesem Pavillon aus kann er der Mythologie nach die Lebenden sehen.

Das Tor zur Hölle

Einige frühe chinesische Kulturen reden davon, dass Menschen nach ihrem Tod nach Tai Shan, nach Jiuyuan (heute ein chinesischer Stadtbezirk), nach Jiuquan (heute eine chinesische bezirksfreie Stadt) oder nach Fengdu gehen.
Daher kommt auch der Gedanke, dass in Fengdu der Eingang zur Hölle sein könnte, weil sich die Seelen der Toten ja den Sagen zufolge auf den Weg in die Unterwelt machen – ob das stimmt oder nicht, ist vermutlich schwer zu beantworten 😉

Für mehr Bilder über die Geisterstadt Fengdu schaut mal auf der Seite geo.de vorbei.

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Welchen der Brückenteile der „Brücke der Hoffnungslosigkeit“ würdet ihr beziehungsweise euer aktueller Protagonist wählen?
Was könnte eine Seele fühlen, wenn sie am Heimschau-Pavillon ist?
Wie könnte es einer Familie ergangen sein, die aufgrund des Überflutens von Alt-Fengdu woanders ein neues Leben beginnen musste?
Ich freue mich über eure Ideen in den Kommentaren 🙂

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Dank an:
Beitragsbild: Tor
Bild 2+3+4+5: Wikipedia

3 Kommentare

  1. Meine Protas würden wohl Hand in Hand gehen, um im nächsten Leben vereint zu sein. Ich glaube, direkt nach dem Tod fühlt eine Seele Sehnsucht nach ihren Lieben. Es sei denn, sie hatte ein schweres, unglückliches Leben, dann wohl eher Erleichterung, dem entkommen zu sein. Hm, wie könnte es einer Familie ergangen sein? Vielleicht war das eine Chance auf ein besseres Leben und sie sind in ihrem neuen Heim glücklich geworden. Ich würde es ihnen wünschen. Oder aber alles ging schief und sie erlebten ein Abenteuer … 🙂

    1. Danke für deinen Kommentar, Tanja 🙂 Dass deine Protas zusammen über die Brücke gehen würden, finde ich schön und romantisch – würden sie über die rechte oder linke Seite gehen? 🙂

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